Suche Oma - biete Enkel
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Artikelnr.: 1734590664
Angeboten am: 02.12.2011
Umfang: 1.107 Wörter, 7.594 Zeichen, 0 Bilder
Suche Oma – biete Enkel
Vorspann: Nicht alle Familien haben eine Oma oder einen Opa. Darum gibt es mittlerweile in vielen Städten Initiativen die Großeltern auf Zeit vermitteln. Und das für wenig oder gar kein Geld. Von dieser Partnerschaft profitieren beide Seiten. Wir haben eine Familie mit „Leih-Oma“ besucht.
Alanis spielt mit ihrer kleineren Schwester Joelle Restaurant. „Ich bin die Kellnerin, du bist die Mutter und du, Frau Detloff, bist der Vater.“ Renate Detloff verbringt heute zum neunten Mal einen Nachmittag bei den beiden Mädchen. Sie ist 66 Jahre alt und arbeitet ehrenamtlich für den Oma-Hilfsdienst in Hamburg. Das Gute an ihr ist, findet Alanis, „dass sie immer mit uns spielt“. Doch die Ersatzoma kommt nicht nur zum Spielen. Sie holt erst die Vierjährige aus dem Kindergarten und dann die Siebenjährige von der Schule ab. Zuhause werden Spaghetti mit Gemüse warmgemacht, dann geht’s an die Hausaufgaben. Heute ist der Buchstabe A dran, und die kleine Joelle übt eifrig mit. „So, ordentlich hinsetzen“, sagt Renate Detloff. „Gibt dir mal ein bisschen Mühe.“ Die gelernte Steuerberaterin, die selbst keine Enkel hat, kann eine gewisse Strenge verbreiten und lässt sich auch als Ersatzoma nicht so leicht um den Finger wickeln. „Ja, ich bin sehr konsequent“, sagt sie. „Die Kinder lieben das.“ Als die Mutter, Anja Dorken, um 17 Uhr nach Hause kommt, steht ein kleiner Blumenstrauß auf dem Küchentisch. Die drei waren noch in einem nahen Wald, um Buschwindröschen zu pflücken.
„Frau Detloff ist für uns ein echter Glücksfall“, findet die 40-Jährige, die zweimal pro Woche als Sachbearbeiterin in einem Unternehmen tätig ist. Ihr Mann arbeitet ebenfalls. Und da die eigene Mutter, die sonst öfter einspringt, seit einiger Zeit krank ist, kommt nun Renate Detloff vom Oma-Hilfsdienst. „Sie macht so viel mit den Kindern“, sagt die Mutter. „Und bei Alanis war es Liebe auf den ersten Blick, als die beiden sich kennengelernt haben.“ Auch Joelle hat die Ersatzoma inzwischen ins Herz geschlossen. Die etwas zurückhaltende Vierjährige verschenkt ihre Sympathien nicht so leicht. Mit der ersten Patenoma wurde sie nicht recht warm. „Die Dame war um einiges älter und ich glaube, Joelle fand sie etwas furchterregend“, erklärt Anja Dorken. Wie wichtig diese Aufwärmphase ist, um ein Vertrauensverhältnis herzustellen, weiß man auch beim Hamburger Oma-Hilfsdienst des Vereins „Jung und Alt“ (www.jaz-ev.de). „Wir stellen die Partner einander vor, in dem sie sich zum Kaffee meistens zuhause bei der Familie treffen. Anschließend bekommen wir dann das Feedback von allen Beteiligten. Normalerweise klappt es gut, sonst stellen wir einen Zweithelfer und das klappt dann“, sagt Beate Schmidt, die das Kinderbetreuungsprojekt 1979 als bundesweit erstes seiner Art ins Leben rief. Dort werden Senioren für bis zu vier Terminen im Monat oder für einen Notdienst von bis zu drei Wochen vermittelt. Die Familien zahlen dabei eine Aufnahmegebühr von 28 Euro und einen Monatsbeitrag von 23 Euro. Die Ersatzomas arbeiten ehrenamtlich.