Risikogruppe Lehrer: Wenn nichts mehr geht
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Angeboten am: 31.12.2011
Umfang: 2.488 Wörter, 18.337 Zeichen, 0 Bilder
Bestimmte Berufsgruppen sind besonders häufig betroffen, Lehrer zum Beispiel. Doch wie erkennt man einen Burnout? Und wie kann man sich dagegen schützen?
„Und das ist meine Freundin Karin“, sagt Susanne, als sie Karin ihren Freund Peter vorstellt. „Sie ist Lehrerin“, schiebt sie noch hinterher. Was folgt kennt Karin zur genüge, und Susanne war wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie mit diesem Nachsatz angerichtet hatte. Peter nickte nur wissend: Lange Ferien, Feierabend immer schon am Mittag, dazu eine ausgezeichnete Bezahlung. Das alles konnte Karin in seinem Gesicht lesen.
Wie die Realität aussieht, das erzählte sie ihm nicht. Sie sprach nicht von Überforderung, von Stress, psychischen Belastungen und dem, was immer mehr Lehrer trifft: Dem Burnout. Doch was steht eigentlich dahinter? Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger bezeichnete 1974 den „Energieverschleiß“, der durch innere und äußere Überforderung entsteht, als Burnout. Freudenberger sieht eine Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität als auslösenden Faktor für Burnout. Damit beschrieb er das Phänomen, welches Auftritt, wenn die Betroffenen im Laufe der Zeit nicht mehr in der Lage sind, ihre Probleme zu bewältigen, wenn ihnen die innere Kraft fehlt und sie ausgelaugt sind. Es kommt zu einer Minderung des Wohlbefindens, der sozialen Funktionsfähigkeit sowie der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.
Ein Burnout ist nicht plötzlich da, es kommt langsam. Es ist ein Prozess, oft wird die Diagnose erst recht spät gestellt. So war es auch bei Karin.
Typischerweise verläuft eine Burnout-Entwicklung in fünf Phasen ab. Auf den Enthusiasmus, alles läuft bestens, folgt die Stagnation. Hier kommt die Leistungsfähigkeit an ihre Grenzen, darauf folgt als dritte Phase die Frustration darüber. Hier kommen dann meist auch Probleme im Privatleben dazu. Wenn dann die Apathie-Phase beginnt, ist es so, als wäre eine unsichtbare Handbremse gezogen. Um ein Mindestmaß an Leistung zu bringen sind sehr große Anstrengungen nötig. Am Ende steht dann der Burnout mit der Erkenntnis, dass keine Leistung mehr erbracht werden kann. Oft ist schon nach einer halben Stunde Anstrengung das Ende mit Schweizausbrüchen und Schwindel erreicht. Neben Erschöpfung und Müdigkeit sind es vor allem Symptome wie Ohrensausen, Mutlosigkeit und Schlafstörungen die auf eine Erkrankung hindeuten.
Doch kann man sich gegen einen Burnout schützen? Stressige Phasen gehören zum Berufsleben dazu, aber sie sollten nicht zum Dauerzustand werden.
Der Psychologe Peter Berger teilt die Prävention in individuellen und institutionellen Bewältigungsstrategien ein. Von Seite der Politik könnten kleine Klassen, aber auch eine regelmäßige Supervision helfen. „Individuelle Bewältigungsstrategien verlangen die persönliche Bereitschaft des einzelnen Lehrers, seinen Mut, etwas für sich an seiner Arbeitssituation zu verändern, günstiger für sich zu gestalten“, so Berger.
Individuelle Bewältigungsstrategien drehen sich um die „persönlichen Selbstpflege“. Berger empfiehlt Entspannungsverfahren zu erlernen. „Von sehr viel größerer Bedeutung ist jedoch die Pflege von verbindlichen sozialen Beziehungen außerhalb des Arbeitsbereiches“, so der Experte. Denn er nur als Einzelkämpfer unterwegs ist, wer jeden Kollegen als Konkurrenten empfindet und dabei keine sozialen Kontakte außerhalb des Jobs hat, der ist stärker gefährdet.
Das eigene Leben sollte ausgeglichen sein, denn eine Überbetonung der Arbeit ist immer ein Risikofaktor für einen Burnout.
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