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Soziales & Familie
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Faszination TOD

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Artikelnr.: 1953185992
Angeboten am: 02.03.2012
Umfang: 2.500 Wörter, 16.340 Zeichen, 0 Bilder
Doch gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele? "Es kommt darauf an, was man darunter versteht", sagt Precht. "Begreift man den Begriff Seele im christlichen Sinne als eine unsterbliche Instanz in uns, dann glaube ich nicht daran. Definiert man sie aber als etwas, das unser Gehirn hervorbringt - und was zugleich mehr ist als etwas Materielles - also die Psyche, dann gibt es sie natürlich. Psyche halte ich für den besseren Begriff, weil er im Gegensatz zur Seele später nicht vom Christentum missbraucht worden ist. An den Begriff Seele hingegen wurde unglaublich viel gebunden - etwa 'gute Seelen' und 'böse Seelen'. Damit konnte ein Mensch rasch stigmatisiert werden."

Auch die alten Ägypter glaubten vor 4000 Jahren, dass der Mensch nach seinem Tod im Jenseits weiter existiert. Weil sie der Überzeugung waren, dass die menschliche Hülle in der nächsten Daseinsstufe zum Weiterbestehen benötigt wird, perfektionierten sie die Leichenkonservierung. Bei der Mumifizierung ließen sie das Rumpfinnere austrocknen und bemalten die Gesichtszüge des Toten grün, also in der Farbe des Totengottes Osiris und der Auferstehung. Nach dem Mund-öffnungsritual - dabei berührte ein Priester den Mund des Verstorbenen und murmelte Zaubersprüche, die die spätere Wiederbelebung seiner Sinne garantieren sollten - wurden die Gräber wie ein neues Zuhause ausgestattet. Wichtige Beigaben waren das "ewige Mahl" (Brot, Grillfisch, Taubenragout, Wachteln und Rinderrippen) und Uschebtifiguren, Abbilder von Dienern, die im Jenseits erwachen und dort Arbeiten für die Verstorbenen erledigen sollten. Denn in der nächsten Daseinsstufe brauchte der Tote alle Kraft, um vor das Totengericht zu treten. Dort musste er sich, vor 42 Göttern als Zeugen, für seine Sünden rechtfertigen. Jede Untat ließ - so der Glaube der Ägypter - das Herz des Verstorbenen schwerer werden: Wog es mehr als die imaginäre Feder der Gerechtigkeitsgöttin Ma'at, wurde es anschließend von der Totenfresserin Ammut - einem gruseligen Wesen mit Krokodilskopf - verspeist, statt ins ewige Leben im Kreis der Götter einzuziehen. Folglich galt es, die Begegnung mit der Totenfresserin zu vermeiden - denn sobald das Herz eines Verstorbenen von Ammut gegessen wurde, war der Geist des Verblichenen für immer ausgelöscht. Er starb den zweiten, den finalen Tod.

Die endgültige Auslöschung fürchtet auch Precht: "Ich habe Angst davor, weg zu sein", gibt er zu. Der Grund seines Unbehagens: "Jeder Tod eines Menschen ist ein kleiner Weltuntergang. Denn das Denken unserer Seele liegt im Hirn - und die Aufgabe des Gehirns ist es, sich selbst zu erhalten als etwas, das sich immer wieder neu erfindet. Insofern ist die Vorstellung, dass dieses Grundelixier unterbunden wird, fürchterlich. Auch weil der Begriff der Ewigkeit ins Spiel kommt: Ewigkeit ist etwas, was wir uns gar nicht vorstellen können. Die Vorstellung, ewig tot zu sein, ist beunruhigend."

Die Furcht vor dem Tod - beziehungsweise vor dessen Diener Mal'ach ha-Mawet, dem Todesengel - trieb auch die Hebräer um, die ebenfalls in Ägypten lebten und die Mose aus der Sklaverei ins gelobte Land führte. Als Juden wurde ihr Stamm erst später bezeichnet.
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