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Politik & Gesellschaft
> Außenpolitik
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Artikelnr.: 2087706824
Angeboten am: 05.03.2012
Umfang: 868 Wörter, 6.442 Zeichen, 0 Bilder
In Cannes
Alles wankt - das war ein paar Stunden lang das dominierende Gefühl beim G-20-Gipfel in Cannes. Dabei hatte die deutsche Kanzlerin gemeinsam mit Gipfelgastgeber Nicolas Sarkozy alles dafür getan, den mächtigsten Staaten der Welt ein gemeinsam agierendes Europa zu präsentieren. Dieser Plan war gescheitert - in dem Moment, als der griechische Ministerpräsident am Montagabend angekündigt hatte, sein Volk über die Sparmaßnahmen abstimmen zu lassen. Am Donnerstagnachmittag knickte Giorgos Papandreou aber auf Druck der anderen Gipfelteilnehmer wieder ein: Er zog seinen umstrittenen Plan zurück.
Merkel hatte zwar klargemacht, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels Ende Oktober unverändert gelten würden - ungeachtet einer Volksabstimmung darüber in Griechenland. Dennoch wurde hinter den dicken Betonmauern des Palais de Festival zeitweise alles neu gedacht: So wurden Kanzlerin Merkels Unterhändler nach Informationen der "Welt" von G-20-Partnern mit dem Anliegen konfrontiert, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse in dieser Situation erneut Anleihen von Schuldenstaaten aufkaufen.
Eben diese Praxis hatte Merkel auf dem Brüsseler Gipfel beendet. Sie setzte stattdessen auf den Rettungsschirm EFSF, der mit Einlagen von Fremdinvestoren auf Billionenniveau "gehebelt" werden sollte. Die Unsicherheit über das griechische Referendum machte aber den Einstieg von Dritten zeitweise unwahrscheinlicher. Deshalb forderten G-20-Partner in Cannes wieder ein Engagement der EZB. Wie die "Welt" erfuhr, brachten Frankreich, Italien, die Vereinigten Staaten und die EU-Kommission diese Forderung vor - Deutschland wehrte sich. Von europäischer Einigkeit konnte bei den G-20-Staaten keine Rede mehr sein.
Die hektische Betriebsamkeit, die in Cannes herrschte, war ablesbar an den Laufwegen, welche die Kanzlerin zurücklegte. Am frühen Morgen traf sie entgegen der ursprünglichen Planung den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, nachdem das Treffen mit ihm am Vortag in Berlin wegen der vorgezogenen Abreise der Kanzlerin zum Euro-Krisentreffen in Cannes hatte verkürzt werden müssen. Danach eilte sie zu einem Treffen der sogenannten Frankfurter Gruppe mit Vertretern Italiens und Spaniens, um wenigstens kurz auf einem Handshake-Foto dabei zu sein. Die Besprechung selbst ließ sie aus, da US-Präsident Barack Obama bereits wartete. Der versicherte der Kanzlerin, er wünsche einen starken Euro und eine rasche Lösung der Krise. "Ich setze mich voll für euren Erfolg ein", soll Obama ihr beteuert haben. Merkel hörte die Botschaft und eilte weiter zu einem Treffen mit Italiens Premier Silvio Berlusconi und dessen Finanzminister Giulio Tremonti. Sie mahnte an, dass Italien zügig Maßnahmen zur Konsolidierung seiner Finanzen ergreifen möge. Dann hastete sie zum ersten offiziellen Termin: ein Arbeitsmittagessen des G-20-Gipfels zur "Global Economic Situation".
So ging es nicht nur Merkel. Obama fiel gar nur die ungewohnte Rolle eines Nebendarstellers bei diesem Gipfel zu - ein sicheres Indiz dafür, dass die Welt aus den Fugen ist. Er traf am Donnerstagmorgen noch vor seinem Date mit Angela Merkel mit Gastgeber Nicolas Sarkozy in Cannes zusammen, wurde vom französischen Präsidenten aber rasch abgefertigt. Denn nur eine Stunde später musste Sarkozy schon wieder zu einer "Arbeitssitzung" mit Vertretern der Euro-Zone, der EU und der EZB.
Die Nachrichtenagenturen meldeten derweil stündlich neue Unannehmlichkeiten aus Athen: Erst am späten Nachmittag kristallisierte sich heraus, dass Papandreou das Referendum zurücknimmt.
Alles wankt - das war ein paar Stunden lang das dominierende Gefühl beim G-20-Gipfel in Cannes. Dabei hatte die deutsche Kanzlerin gemeinsam mit Gipfelgastgeber Nicolas Sarkozy alles dafür getan, den mächtigsten Staaten der Welt ein gemeinsam agierendes Europa zu präsentieren. Dieser Plan war gescheitert - in dem Moment, als der griechische Ministerpräsident am Montagabend angekündigt hatte, sein Volk über die Sparmaßnahmen abstimmen zu lassen. Am Donnerstagnachmittag knickte Giorgos Papandreou aber auf Druck der anderen Gipfelteilnehmer wieder ein: Er zog seinen umstrittenen Plan zurück.
Merkel hatte zwar klargemacht, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels Ende Oktober unverändert gelten würden - ungeachtet einer Volksabstimmung darüber in Griechenland. Dennoch wurde hinter den dicken Betonmauern des Palais de Festival zeitweise alles neu gedacht: So wurden Kanzlerin Merkels Unterhändler nach Informationen der "Welt" von G-20-Partnern mit dem Anliegen konfrontiert, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse in dieser Situation erneut Anleihen von Schuldenstaaten aufkaufen.
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