Immer noch eine starke Marke:
Artikelnr.: 2618728648
Angeboten am: 02.05.2012
Umfang: 898 Wörter, 5.519 Zeichen, 0 Bilder
Einst ein Zeichen für Billigkopien ist „Made in Germany“ zu einem Markenzeichen für deutsche Wertarbeit aufgestiegen. Doch kaum ein Produkt wird heute nur noch in Deutschland hergestellt. In der globalisierten Welt herrscht Arbeitsteilung. Was ist das Label noch wert?
Vor 125 Jahren haben die Briten deutsche Firmen gezwungen, ihre Exportwaren mit dem Label „Made in Germany“ zu versehen. Die Stahlindustrie in Sheffield und Manchester hatte das im britischen Parlament durchgedrückt, weil sie sich vor der vermeintlichen Billigkonkurrenz vom Kontinent fürchtete. Das war 1887. Doch die Werkzeugmacher und Maschinenbauer in Solingen, Remscheid, Dortmund und Wuppertal nahmen die Herausforderung an: „Made in Germany“ entwickelte sich zu einem Gütesiegel, das für Qualität, Zuverlässigkeit, Präzision, Fertigungskunst und Innovation steht.
Doch was bedeutet „Made in Germany“ heute? Kettler zum Beispiel lässt die Rahmen für seine Fahrräder in China produzieren, die Bremsen kommen aus Japan und die Reifen aus Indien. In Deutschland wird das Rad nur noch zusammengeschraubt, unter anderem in den Montagehallen von Kettler in Kleinblittersdorf. Porsche, wie kein anderes Werk mit dem Namen des Stuttgarter Ortsteils Zuffenhausen verbunden, bezieht die Bleche für den „Cayenne“ aus dem slowakischen Bratislava. Die Sitze stammen von der Tochter des amerikanischen Herstellers Johnson Controls und das Getriebe wird vom japanischen Unternehmen Aisin gefertigt. Osram, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von Siemens, lässt Energiesparlampen in Asien fertigen und plant eine Produktionsanlage für Leuchtdioden (LED) in China. Es wäre die dritte – neben Regensburg und Malaysia.
Dennoch tragen viele dieser Produkte das Zeichen „Made in Germany“. Denn laut EU gilt das Land als das Herkunftsland, in dem die letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Be- und Verarbeitung vorgenommen wurde. Danach können Produkte auch dann mit dem Label „Made in Germany“ ausgezeichnet werden, wenn sie zu 90 Prozent im Ausland bearbeitet wurden und in Deutschland nur den letzten Schliff erhielten.