Die flipperkugel rollt wieder - dieses Mal digital: The Pinball Arcade
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Artikelnr.: 2825715912
Angeboten am: 04.07.2012
Umfang: 744 Wörter, 4.540 Zeichen, 0 Bilder
Um die Zigaretten ist es nicht schade, um die Flipper schon: Statt der stimmungsvollen Riesenkästen stehen heut allenfalls seelenlose Automaten mit simplen Videospielen in Kneipen. Flipper-Freunde müssen für ihr Hobby mittlerweile schon in eines der deutschen Flippermuseen oder zu Spezialisten wie der „Flipper-Garage Neu-Ulm“ gehen. Die Datenbank auf „flippern.de“ listet zudem die in Kneipen und Spielhallen verbliebenen Geräte samt detaillierten Bewertungen des Zustands wie „ Drop Target vor der Center Ramp gebrochen“ auf. Ganz aktuell sind die Daten leider nicht immer.
Natürlich träumt so mancher Fan davon, ein eigenes Gerät daheim stehen zu haben - was aber nicht nur eine Platz- sondern auch eine Geldfrage ist: Für beliebte Geräte wie den „Addams Family“-Flipper werden mittlerweile viele tausend Euro fällig, zudem sind Wartung und Ersatzteilbeschaffung knifflig., Wer dagegen kostengünstig auch daheim oder unterwegs den Ball rollen lassen wollte, griff bislang vorwiegend zu digitalen Flippern. Die gibt es schon seit den Commodore 64- Tagen in den 1980ern, viele Spiele kranken aber an unrealistischer Kugel-Physik oder an mit digitalen Mätzchen überfrachteten Tischen.
Das Projekt „The Pinball Arcade“ ist dagegen ein echter Hoffnungsschimmer. Die Hersteller FarSight Studios haben sich schon mit Flipper-Sammlungen für Spielkonsolen wie „Pinball Hall of Fame: The Williams Collection“ einen Namen gemacht. Jetzt gehen sie aber in die Vollen und wollen in den kommenden Jahren mehr als hundert Tische umsetzen. Dazu haben sie Zugriff auf die Lizenzen der großen Pinball-Produzenten Gottlieb, Williams, Bally, und Stern Pinball.
Natürlich ist das physische Erlebnis eines richtigen Flippers eine andere Dimension, aber die für diesen Artikel getesten ios-Versionen kommen dem Gefühl durchaus nahe. Vor allem auf dem hochkant gehaltenen ipad macht das Flippern bereits einen enormen Spaß. Die Flipper werden mit einem Fingerdruck auf die linke oder rechte Bildschirmhälfte bedient, am Tisch rütteln lässt sich natürlich auch. Es gibt mehrere Kameraperspektiven - wahlweise sieht man stets den gesamten Tisch oder die Kamera folgt dynamisch den Ballbewegungen. Unweigerlich beginnt man bei kräftigen Flipperschlägen entsprechend hart auf die ipad-Oberfläche zu trommeln, Schäden sind bislang aber noch keine aufgetreten. Auch die iphone-Version macht Spaß, wobei Spielen auf dem kleinen Bildschirm auf Dauer etwas anstrengend sein kann.
Der Sound inklusive Musik und Sprachausgabe ist sehr gelungen, die Tischfläche und Rampen ebenfalls bestens umgesetzt, nur die Aufbauten wie die Burg in „Medieval Madness“ wirken noch etwas matschig. Die App selber ist wie eine Flipperhalle aufgebaut, in der man aus derzeit zehn (Anmerkung: 2 weitere kurz vor der Veröffentlichung) Tischen wählen kann. Im Preis von 79 Cent ist bereits der sehr schöne Flipper „Tales of the Arabian Nights“ enthalten, zusätzliche Tische wie „Theatre of Magic“ können für 1,59 bis 2,99 Euro zugekauft werden, im Doppelpack teils billiger. Weitere Flipper-Umsetzungen sind in Planung, wobei die Entwickler oft nicht nur den Herstellern Lizenzgebühren zahlen müssen sondern auch den popkulturellen Vorlagen, die bei den Tischen Verwendung fanden. So kostet allein die Lizenz für den auf der gleichnamigen Fernsehserie basierenden „Twillight Zone“-Tisch, der im Internet oft als bester und komplexester Flipper aller Zeiten gerühmt wird, stolze 55 000 Dollar.