Ruhrtriennale 2012: „Marketplace 76“ von Jan Lauwers & Needcompany

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Artikelnr.: 2952470728
Angeboten am: 09.09.2012
Umfang: 318 Wörter, 2.000 Zeichen, 0 Bilder
Sex wird thematisiert, die Vorgänge in einem Dorf, das sich selbst zerfleischt. Da geht es um eine Gasexplosion auf dem Wochenmarkt, die etliche Menschen das Leben kostete. Zudem kam der Sohn der Fleischersfrau ums Leben. Er stürzte sich aus dem Fenster, nachdem er seiner Schwester zweideutige Angebote gemacht hat. Die Trauerfeier wird zum feucht-fröhlichen, verzweifelten Ereignis. Eine andere Frau ist querschnittsgelähmt seit der Gasexplosion, verzweifelt darüber, ihren Mann, einen „Sextiger“, nicht mehr befriedigen zu können. In „Marketplace 76“ wird nicht gespart an Leichen, Alkohol und sexuellen Andeutungen. Der Gesellschaft wird ein Spiegel vorgehalten. Alles ziellos? Alles lustgesteuert? Die Fleischersfrau bringt sich vor Verzweiflung über die Vergewaltigung ihrer Tochter durch den Dorfklempner um. Letzterer wird wegen dieses Vorfalls zu Tode geprügelt, im Fluss ertränkt. Die Toten bleiben, greifen aktiv ins Geschehen ein. Warum „Marketplace 76“? Die Frau des Klempners wird zu 76 Tagen Arrest in ihrem Haus willkürlich verurteilt - weil sie die Vergewaltigung nicht frühzeitig erkannt und verhindert hat. Schließlich tötet der Dorfschlachter seine querschnittsgelähmte Ehefrau auf Verlangen, erstickt sie mit einem Kissen. Man fragt sich: Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so kaputt, wie es „Marketplace 76“ suggeriert? Sicher nicht hier. Blicke nach Syrien oder Afrika sprechen da schon eine andere Sprache. Was man so hört! Das Publikum zeigte sich begeistert von Jan Lauwers engagierter Aufführungspraxis. Die Needcompany erhielt stehende Ovationen.
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