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Ruhrtriennale 2012: Orffs Monumentaloper „Prometheus“ in der Kraftzentrale

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Artikelnr.: 3010035912
Angeboten am: 19.09.2012
Umfang: 599 Wörter, 3.569 Zeichen, 1 Bild
  • Prometheus Foto: Ruhrtriennale
Duisburg.(döm) Die moderne Monumentaloper „Prometheus“ von Carl Orff nach der griechischen Tragödie von Aischylos wurde jetzt mit größtmöglichem Pathos im Rahmen der Ruhrtriennale 2012 in der Kraftzentrale, jenem ehemaligen Stahlwerk, im heutigen Landschaftspark Duisburg Nord gegeben. Da, wo früher die Malocher ihr Eisen schmolzen ist jetzt Hochkultur angesagt. Und Triennale-Intendant Prof. Heiner Goebbels verlegte sich dieses Mal durchaus nicht auf einfache Kost. In gut 2,5 Stunden ohne Pause wurde Prometheus bearbeitet, einer der Titanen im griechischen Götterreich. Der Vorausdenkende und vielleicht nicht zuletzt deshalb ein direkter Konkurrent des großen Zeus. Letzterer kettet Prometheus an einen Felsen im Meer, da dieser den Menschen das Feuer brachte, ihnen Kultur gab, sie dass denken lehrte. Ein über 100 Meter langer Raum als Bühne in der nicht ausverkauften, aber doch gut besuchten Kraftzentrale. Der Boden mutet schwarz-gläsern an – ganz wie auf einem Meer. Vorne, mittig steht, sitzt Prometheus, hadert, fabuliert, kommuniziert. Und zwar etwa mit den Okeanen, dem fantastischen wie geschmeidigen Chorwerk Ruhr, das die elfengleichen Amazonen stets am Rande, dafür immer präsent darstellt. Sie umwerben Prometheus, wollen ihn aus seiner Not befreien. Die Strafe des Zeus kann ja so grausam sein! Aber: Prometheus verharrt in seiner gottgleichen Unsterblichkeit, lässt alle Leiden über sich ergehen. Ja, er schaut voraus, enttarnt Zeus als einen Tyrannen. Die schlagwerklastige Musik vom Orchester, die unzusammenhängenden, wild anmutenden Töne der Bläser unterstreichen diese Voraussicht geradezu. Existentielle Fragen werden hier gestellt – soviel scheint klar. Dann ist da Io, die Geliebte des Zeus. Verloren irrt sie durch die Welt – in Form einer Kuh immer auf der Flucht vor einer Bremse. In Prometheus findet sie einen Seelenverwandten, sie ergänzen sich. Doch während Io stetig schreiend, rebellierend gar auf der Flucht ist, ergibt Prometheus sich schon ein bisschen selbstzufrieden in sein Schicksal, sitzt da auf seiner dunklen, weiten Bühne, grätzt, lamentiert, kritisiert auch. Io bildet mit ihrem hellen, wuseligen Sopran eine willkommene Abwechslung zu der ansonsten doch recht statisch wirkenden, monumentalen Oper Carl Orffs'. Auch nimmt sie eine zentrale Rolle im Werk ein als direkter Kontakt Prometheus' zur irdischen Welt. Man hält sich wacker – vor und hinter der Bühne.
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