Vorsprung durch Technik?

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Artikelnr.: 3046342856
Angeboten am: 25.10.2012
Umfang: 900 Wörter, 5.466 Zeichen, 0 Bilder
Der Forscher hatte 2007 untersucht, wie Pistorius mit Stelzen im Vergleich zu gleichschnellen gesunden Sprintern abschnitt. "Pistorius war beim schnellen Laufen klar im Vorteil, weil über seine Prothesen weniger Energie verloren ging als über die Sprunggelenke der Gesunden." Bis zu 40 Prozent der aufgebrachten Energie leiteten die Sprunggelenke gesunder Läufer ab, erheblich mehr als die Carbon-Federn. Durch diese Vorteile habe Pistorius bei den Tests für die gleiche Leistung weniger Energie und weniger Sauerstoff benötigt.

Danach entschied der internationale Leichtathletikverband damals, dass Pistorius nicht an Olympia 2008 in Peking teilnehmen dürfe. Der Internationale Sportgerichtshof hob die Entscheidung jedoch auf. Weil Pistorius die Norm für 400 Meter und für die Staffel verfehlte, konnte er dann nicht starten. Bei den Paralympics im gleichen Jahr hingegen trat er an und gewann über 100, 200 und 400 Meter.

In London war der Südafrikaner nun als erster Läufer mit zwei amputierten Unterschenkeln auch bei Olympia gestartet und kam über 400 Meter immerhin bis ins Halbfinale. Gegenüber den schnellsten Nichtbehinderten hatte er jedoch das Nachsehen. Das könnte sich ändern: Prinzipiell ließen sich Carbon-Prothesen so weit verbessern, dass behinderte Sprinter damit schneller laufen könnten als ihre nicht behinderten Konkurrenten, sagt Brüggemann. "Man kann sicher durch Veränderungen der Prothesen in der Länge und auch beim Material Geschwindigkeiten verändern", bestätigt Rüdiger Herzog, Sprecher beim Medizintechnik-Unternehmen Ottobock aus dem niedersächsischen Duderstadt. Er glaube aber nicht daran, dass Läufer mit Prothesen einmal schneller sein könnten. "Wenn Sie das Ergebnis von Pistorius beim 400-Meter-Halbfinale sehen, wird klar, dass da noch große Unterschiede zu den Läufern mit zwei gesunden Beinen sind." Die Prothesen seien am Start sehr schwierig zu handhaben. "Man kommt zunächst nur schwer in die Gänge. Je länger die Strecke, umso schneller können die Sportler werden." Geradeaus liefen die Sprinter mit den Carbon-Prothesen am besten, in Kurven hätten sie jedoch Schwierigkeiten. "Pistorius kann das vergleichsweise gut - wohl deshalb, weil er schon als kleines Kind mit Prothesen lief", sagt Herzog, der derzeit bei den Paralympics ist. Ottobock Healthcare hat dort etwa 80 Orthopädie-Techniker im Einsatz, um für 4200 Athleten den Reparaturservice sicherzustellen.

Schon die Ägypter der Pharaonenzeit entwickelten Prothesen als Ersatz für fehlende Körperteile. Deutsche Forscher haben etwa eine Großzeh-Prothese aus Holz bei einer weiblichen Mumie untersucht. Heutzutage arbeiten Biomechaniker an roboterartigen Prothesen, um behinderten Menschen natürliche Bewegungen zu ermöglichen. Bionik heißt das Forschungsgebiet, bei dem Wissenschaftler "Erfindungen" der Natur in Technik umsetzen.

Carbon-Federn wurden laut Herzog zum ersten Mal 1988 in Seoul eingesetzt. "Seither sieht man einen sprunghaften Leistungsanstieg in den Weltrekorden." Nur eine Frage von Hightech? Nein, sagt Herzog. "Sicherlich wurden die technischen Details verändert, der Leistungsanstieg liegt aber nicht nur daran, sondern auch an der Trainingsintensität der behinderten Sportler."

Ottobock entwickelt nicht nur Prothesen für Leistungssportler, sondern vor allem für den Alltag behinderter Menschen. Zuletzt stellte das Unternehmen in London eine Laufprothese für Amateure vor. "Man denkt immer, die Prothesen für Leistungssportler sind das Hightech-Produkt", sagt Herzog.
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