Neues Ägyptisches Museum öffnet 2013 komplett unterirdisch
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Artikelnr.: 3046621384
Angeboten am: 27.10.2012
Umfang: 563 Wörter, 3.471 Zeichen, 1 Bild
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Münchens neues Ägypisches Museum liegt komplett unter der Erde, bekommt aber Tageslicht aus einem Lichtschacht
Foto: Gernot Brauer
In der kunstsinnigen Umgebung will Schoske ihre Präsentation „in der Weltkunst verankern“ und dafür zugleich ein Publikum erreichen, das den Weg in die Residenz bisher kaum findet. Mit rund 1800 qm wird künftig mehr als dreimal so viel Platz zur Verfügung stehen wie am bisherigen Standort – zuzüglich eines Raumes für Sonderausstellungen. Das Besondere: Das Museum liegt komplett unter der Erde.
Der jetzige Standort des Museums im Hofgartentrakt der Münchner Residenz war seit der Eröffnung 1970 immer ein Provisorium. Vortragsraum, Shop und Garderobe fehlten ebenso wie Räume für die Museumspädagogik und für Sonderausstellungen. Die wegen Neuerwerbungen und Schenkungen viel zu klein gewordenen Räume sind weder barrierefrei noch genügen sie den konservatorischen Bedingungen der empfindlichen Exponate. Verwaltung, Werkstätten und Depots sind ausgelagert; das ist unpraktisch und teuer. Überlegungen zu einem Neubau hatte es deshalb schon in den späten 1970-er Jahren gegeben. Zehn Jahre später folgte ein erster städtebaulicher Ideenwettbewerb, aus dem aber nichts wurde. Als der zweite Wettbewerb mit 38 Einreichungen zur Entscheidung anstand, gab es 37 übliche Realisierungsvorschläge mit jeweils zwei Bauten, einem für die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und einem für das Museum. Letzteres sollte erst in einem zweiten Bauabschnitt kommen. Nur die Einreichung Nummer 38, die letzte also, überraschte mit der oberirdischen HFF- und der unterirdischen Museums-Idee. Sie war auch die einzige, die sich nicht in zwei Bauabschnitten umsetzen ließ. Noch in der Nacht zwischen den beiden Jury-Tagen ließ Bayerns damaliger Finanzminister Faltlhauser durchrechnen, ob der Freistaat beide Bauten auch zeitgleich stemmen könne. Als dazu grünes Licht kam, war dem einreichenden Architekten Peter Böhm der Zuschlag nicht mehr zu nehmen.
Trotz der unterirdischen Lage:große, kirchenschiffähnliche Räume mit viel Tageslicht
Im Grundstein des Museums sind drei sehr eigenwillige Dokumente versenkt: die Bauurkunde, übersetzt ins Altägypische und in Hieroglyphen geschrieben, die Kopie eines altägyptischen Reliefs über die erste auf diese Weise jemals dokumentierte Grundsteinlegung eines Gebäudes sowie Repliken altägyptischer Werkzeuge, wie man sie für einen ersten Spatenstich gebraucht hätte. In dem darüber von Böhm geschaffenen neuen Gebäude werden alle Funktionen des Museums unter einem Dach vereint. Erstmals gibt es damit außerhalb Ägyptens einen Museumsbau, der ausschließlich altägyptischen Exponaten gewidmet ist. Die künftigen Ausstellungsräume liegen unter der Freifläche vor der Filmhochschule komplett in der Erde. Vordergründig bestätigt das die Vorstellung von Gräbern im Tal der Könige des alten Ägypten. Über eine breite Freitreppe und eine noch tiefer hinab führende Rampe betritt der Besucher jedoch große, kirchenschiffähnliche Räume, die von einem versenkten Atrium viel Tageslicht erhalten. Hohe, weite Hallen wechseln mit kleinen Räumen. Durchblicke gewähren die Sicht auf herausgehobene Exponate. An keiner Stelle will die Architektur vordergründig ägyptisieren – und doch werden im Besucher Assoziationen an Tempelräume und Königsgräber lebendig. „Es muss nicht immer eine Architektur sein, die ganz laut ‚hier‘ brüllt“, sagt Schoske – die hohe Wand vor dem Eingang werde Signal genug sein. Gernot Brauer