Genc Osman - Jugendliche, die keiner haben will
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Artikelnr.: 3051487432
Angeboten am: 16.10.2012
Umfang: 1.258 Wörter, 7.683 Zeichen, 7 Bilder

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Sein Glaube bewog ihn, Jugendlichen beim Aufbau einer sicheren Zukunft zu helfen: Erkan Üstünay gründete deshalb das Jugendzentrum „Respekt“.
Foto: Dietmar Alexy
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Sind schon längst in unserer Gesellschaft angekommen: Junge Leute mit ausländischen Vorfahren im Jugendzentrum “Respekt“.
Foto: Dietmar Alexy
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Nicht jeder Migrant wird diskriminiert: Der 19-jährige Junus hat bislang keine negativen Erfahrungen mit deutschen Mitbürgern gemacht.
Foto: Dietmar Alexy
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Keine Spielhölle, wie man auf dem ersten Blick vermuten könnte: Die Computerspiele dienen dazu, den Jugendlichen eine Alternative zur Spielhalle zu bieten.
Foto: Dietmar Alexy
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Neben Computerspielen gehört auch Hausaufgabenhilfe, Bewerbungstraining, Anti-Rassismus-Training und „richtiger“ Fußball zum Programm des Zentrums im Duisburger Norden.
Foto: Dietmar Alexy
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Muslim Halil freut sich offensichtlich über die Partnerschaften des Zentrums mit Jugendamt und Polizei. Das Ziel der Duisburger Polizei, Vorurteile von Muslimen gegen sie selber abzubauen, scheint zumindest bei ihm erreicht zu sein.
Foto: Dietmar Alexy
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Überwiegend Jungen besuchen das Zentrum im Duisburger Norden.
Foto: Dietmar Alexy

Vereinsvorsitzender, Trainer der ersten Mannschaft und Hobby-Sozialarbeiter ist Erkan Üstünay beim SV Genc Osman Duisburg. Und das ist keine leichte Aufgabe: Denn der Fußballverein kümmert sich vor allem um Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Die kein anderer Club haben will. Übrigens neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender des örtlichen Moschee-Vereins. Der Deutsche Fußball-Bund hat dafür Genc Osman ebenso mit dem zweiten Platz seines Integrationspreises belohnt wie das Bundesinnenministerium im Rahmen der „Initiative Sicherheitspartnerschaft. Gemeinsam mit Muslimen für Sicherheit.“
Der letzte Spieltag der vergangenen Saison. In der Gruppe 2 der Fußball-Kreisliga A Duisburg-Mülheim-Dinslaken stehen sich zwei noch junge Nachbarvereine gegenüber: Die Sportfreunde Marxloh und der SV Genc Osman aus Alt-Hamborn. Bei ihnen spielen zahlreiche Migranten mit, nicht nur aus der Türkei. Genc Osman kann durch einen Sieg den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt machen. Ein Fußballspiel wie jedes andere? Wohl kaum. Denn der sportliche Aspekt ist hier nicht so wichtig wie der soziale. Denn es findet mitten im Herzen von Marxloh statt, ein Duisburger Stadtteil, das manche für den Inbegriff fehlgeschlagener Integration halten. Wie kommt es dann aber, dass der SV Genc Osman in diesem Jahr die beiden Preise erhielt?
Zugegeben, im Duisburger Norden ist durch den Rückgang von Kohle und Stahlindustrie bei einem hohen Anteil junger Menschen die Jugendarbeitslosigkeit steigend. Doch ein Kriminalitätsschwerpunkt ist diese Gegend nicht. So schildert es der Leiter Marxloher Polizei-Wache, Ralf Werner (48). Allerdings haben es MirgrantInnen oft nicht leicht. Einer der beiden Kontaktbeamten für muslimische Institutionen bei der Duisburger Polizei, Thomas Nagel, nennt ein Beispiel: „Ein 17-jähriger Migrant mit gutem Realschulabschluss und hervorragendem Sozialverhalten bewirbt sich als Kfz-Mechaniker und kommt noch nicht einmal unter die besten 15, die ein Vorstellungsgespräch angeboten bekommen.“ Wie soll es da erst den 70 Prozent ergehen, die nur Haupt- oder Förderschulabschluss haben? Und den 50 Prozent ohne Schulabschluss?
Vielleicht auch deswegen kam vor fünf Jahren Erkan Üstünay auf die Idee, Jugendliche an problematischen Treffpunkten wie zum Beispiel Spielhallen anzusprechen. Um eine bessere Alternative zu bieten, baute er den Keller seiner kleinen Moschee im Marxloher Nachbar-Stadtteil Alt-Hamborn zum Jugendzentrum „Respekt“ um. Kein leichtes Unterfangen, denn nicht nur bei älteren Deutschen gibt es manchmal Vorurteile. „Unsere ältere Generation hat es am Anfang schwer gehabt, dass unter einer Moschee ein Billardtisch oder auch PCs mit Internet-Anschluss stehen“, erzählt er. „Sie dachte sofort, dass hier eine „Spielhölle“ sei. Aber mittlerweile spielen sie selber in ihrer Freizeit vor oder nach den Gebeten hier im Jugendtreff Billard.“ Zum Angebot gehören aber auch Anti-Rassismus-Training, Drogenprävention, Freizeitangebote, Gewaltprävention mit dem Ordnungspartner Polizei – oder natürlich Fußball. „Aus polizeilicher Sicht ist das Angebot eine tolle Sache“, lobt Thomas Nagel. Der Verein arbeitet nicht nur mit der Polizei zusammen, sondern auch mit zahlreichen anderen Institutionen wie Stadtverwaltung Duisburg, Arge, Jugendgerichtshilfe, Bewährungshilfe, Runder Tisch oder Frauennetzwerk Du-Nord.
Im Schnitt 80 Jugendliche aus vielen Nationen mit verschiedenen Religionen verkehren hier täglich. Darunter auch zehn Prozent Deutsche.