Der lange Marsch
4
Originalitätsindex
Der Originalitätsindex gibt an, wieviele
Quellen den Inhalt dieses Artikels zu seinem Erstellungszeitpunkt enthielten.
Artikelnr.: 737345736
Angeboten am: 23.03.2011
Umfang: 2.305 Wörter, 15.410 Zeichen, 20 Bilder

-
Calenzana, der nördliche Ausgangspunkt für den GR 20 auf Korsika.
Foto: Marco Kost
-
Abendstimmung an der Piobbu-Hütte, erste Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Alpenglühen an der Carozzu-Hütte, zweite Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Aufstieg zur Bocca di Stagnu, dritte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Aufstieg aus dem Cirque de la Solitude, Agnes Dietisheim, vierte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Aufstieg aus dem Cirque de la Solitude, vierte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Col de St. Pierre, fünfte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Fünfte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Breche de Capitellu, sechste Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Petra Piana Hütte mit Blick auf den Monte d'Oro im Hintergrund, sechste Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Siebte Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Bergerie auf der siebten Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Frühstück bei der Prati-Hütte, GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Sonnenaufgang über dem Zeltplatz bei der Prati-Hütte, GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Zeltplatz bei der Prati-Hütte, GR 20.
Foto: Marco Kost
-
13. Etappe, GR 20.
Foto: Marco Kost
-
13. Etappe, Wanderer auf dem GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Auf dem Gipfel des Monte Incudine, 13. Etappe GR 20.
Foto: Marco Kost
-
Die Bavellatürme, die Dolomiten Korsikas, GR 20.
Foto: Marco Kost

Ein Geruch, der so einzigartig ist, dass Napoleon, der berühmteste Sohn Korsikas, einmal gesagt haben soll, er könne seine Heimat mit verbundenen Augen an diesem Duft erkennen.
Ich halte kurz inne und lasse den Blick zurückschweifen. Unten im Tal liegt der kleine verschlafene Weiler Calenzana, Startpunkt der großen Korsika-Durchquerung, des GR20. Vor 36 Jahren offiziell eröffnet, zählt die „Grande Randonnée“ (Fernwanderweg) inzwischen zu den beliebtesten und bekanntesten Trekkingtouren Europas. Alljährlich machen sich bis zu 10.000 Wanderer auf den Weg, um die Gebirgswelt Korsikas ganz oder teilweise auf dem GR20 zu durchqueren. Rund drei Viertel starten von Norden zu der rund 170 Kilometer langen Wanderung, der Rest nimmt sie in Süd-Nord-Richtung in Angriff. Ich lasse mir Zeit beim weiteren Aufstieg, ganz eingenommen von der Landschaft und dem Duft der korsischen Macchia. Erst am Abend, als ich mein Zelt unterhalb der Piobbu-Hütte aufschlage, merke ich, wie erschöpft ich bin. Während unten im Tal schon der Nebel wabert, scheinen die letzten Sonnenstrahlen wärmend auf den Biwakplatz. Doch kaum ist die Sonne hinter der Nebelwand versunken, wird es empfindlich kühl. War der erste Tag noch zum Eingewöhnen, nehmen die Schwierigkeiten in den nächsten Tagen schnell zu – und mit ihnen die Schmerzen in den Knien. Steil hinauf und auch steil wieder herab ziehen sich die Pfade über grobes Geröll oder schier endlose Granitplatten. Die gefährlichsten Stellen etwa der Aufstieg durch die Spasimata-Schlucht, sind mit Drahtseilen gesichert, die nicht immer Vertrauen erwecken. Meine anfänglichen Bedenken, diese Tour allein zu bestreiten, werden dennoch bald zerstreut. Schnell komme ich mit anderen Trekkern in Kontakt, haben wir doch alle mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen und das gleiche Ziel. So entsteht rasch eine kleine, aus Menschen aller Herren Länder zusammengewürfelte Gemeinschaft, in der jeder auf den anderen Acht gibt.
Auf den ersten schwierigen Nordetappen kristallisiert sich heraus, wer den Anforderungen der zweiwöchigen Wanderung gewachsen ist und wer sie unterschätzt hat. Bereits nach dem dritten Tag geben die ersten auf. Der Ort Haut-Asco – eigentlich nur eine Skistation mit Restaurant und einer Unterkunft für Wanderer – ist die erste Ausstiegsmöglichkeit. Südlich ragt die unüberwindlich wirkende Grande Barriere auf, der Hauptkamm der korsischen Berge mit ihrer höchsten Erhebung, dem Monte Cinto. In einer strammen Tagestour kann der 2706 Meter hohe Gipfel von Haut-Asco aus bestiegen werden, allerdings sollte man sich im Zweiergelände wohl fühlen. Am vierten Tag erwartet mich die Königsetappe, die Schlüsselstelle des GR20: Der Cirque de la Solitude, ein Felskessel mit beinah senkrecht abfallenden Wänden. Er verlangt den schwerbepackten Trekkern gehöriges alpinistisches Können ab. Kurz vor dem Labyrinth aus Felstürmen passiere ich die Abzweigung zum Pic von Cube, benannt nach dem deutschen Naturforscher und Arzt Felix von Cube, der zwischen 1899 und 1904 die unerschlossene Bergwelt Korsikas erforschte. Seine Kartenskizzen und Expeditionsberichte legten den Grundstein für deren Erschließung und damit auch für die Popularität der Insel bei Wanderern und Alpinisten. Trittsichere Bergsteiger können den Pic von Cube in eineinhalb Stunden in leichter Kletterei vom Weg aus „mitnehmen“.
Kurz danach erreiche ich den Col Perdu.